Ausflug nach Puerto Madryn

6.5.2009

Ein Wochenendausflug in die Patagonische Nachbarschaft.

Für das lange Wochenende über den 1. Mai hatten wir uns einen Besuch in Puerto Madryn vorgenommen. Zum einen um mal raus zu kommen, zum anderen um uns in der Stadt umzusehen in die wir vielleicht umziehen wollen.

Wie es hier im allgemeinen und mit mir im speziellen so üblich ist, kamen wir viel zu spät aus Viedma weg, dennoch wollte ich nicht schon wieder die schnurgeraden 180km nach Westen bis zur nächsten Stadt hinter mich bringen, zu oft schon bin ich auf diesem Stück der Ruta 3 unterwegs gewesen! Also habe ich Marisol mal in den Argentinischen Schotter eingeweiht, ab auf den "Camino de la Costa", die alte Küstenstraße, die ich schonmal mit Carola, Ali und Ra "bewältigt" habe. Ein wunderschöner Weg, der einen zwischendurch bis an den Strand führt und ansonsten in kurvigen und hügeligen Verlauf durch Patagonische Landschaften und vorbei an Sanddünen führt.

Da es hier mittlerweile schon um 19 uhr dunkel wird, hatte ich auch recht schnell die Sonne im Gesicht, irgendwie bin ich bei späten Ausflügen immer Richtung Osten unterwegs! Keine chance den Weg im Auge zu behalten, also haben wir den Weg abgekürzt und sind auf halber Strecke doch zurück auf die Ruta 3, geteert und gerade!

In der Nachbarstadt San Antonio angekommen, gönnten wir uns eine Pause, während es draußen immer dunkler wurde. Als "Traveller" schwört man sich immer, sich an die oberste Regel zu halten: "Niemals nachts fahren, das ist zu gefährlich!" - Stimmt nicht, es gibt zwar fast nur unbeleuchtete Straßen, unangekündigte Kurven (die einen auf den schnurgeraden Straßen wirklich überraschen), ständig falsch eingestellte Autoscheinwerfer und freundlich aufblendenden Gegenverkehr. Aber es ist doch nicht sooo gefährlich. Ist ja nicht so das man hier ständig auf Autos und LKW trifft, die gar unbeleuchtet dahertuckern. (Das war Ironie!)

Na gut, da ich mich gerade daran gewöhne ein Argentinischer Traveller zu sein, trifft diese oberste Regel auch nicht auf mich zu! Also weiter auf die Straße mit all den genannten Abwechslungen auf die man unterwegs stößt. Es waren auch nur noch 280km...

So gegen halb zwölf Nachts schlugen wir in Puerto Madryn ein, relativ orientierungslos hinein in die Stadt und einfach mal angehalten. Hauptgrund der Tour nach Madryn war, abgesehen von der Stadt selber, ein Besuch bei Miguel. Wir hatten es schon lange versprochen und waren nun endlich aufgebrochen. So herrlich Planlos vor irgendeiner Schule stehend, riefen wir Miguel an und fragten nach den Anflugdaten... "Wo seid ihr?" - "keine Ahnung!"... nach einigem Hin und Her machte er sich auf den Weg um uns einzusammeln, als er uns schliesslich fand... "Verdammt, welche Gegend habt ihr euch denn hier ausgesucht? Laßt uns hier verschwinden!"

Gesagt, getan... auf zu seinem Haus, wo schon Pollo al Disco (Hühnchen) bereitet wurde. Nach einem gelungenen willkommen fielen wir in die Betten um am nächsten Tag die Stadt und die Gegend zu erkunden. Neben einer kurzen Tour auf den Motorrädern durch die Stadt, machten wir uns auf zu einem Sagenhaften Aussichtspunkt. Dazu sollte ich wohl erstmal beschreiben wie es so aussieht in der Gegend...

Puerto Madryn liegt direkt in der Bucht, die auf einer Seite von der Halbinsel "Peninsula Valdés" gebildet wird. Die Bucht und die Halbinsel (UNESCO-Welterbe) sind bekannt für den Artenreichtum an Meeressäugetieren. So wimmelt es in dieser Gegend von Walen (Südkaper), Seelöwen, Seelefanten, Pinguinen und Orcas. An Land treiben sich Guanacos, Ñandus und noch viele andere Arten herum.

Die andere Seite der Bucht (Golfo Nuevo) führt einen entlang einer Landzunge bis zum Ende am "Punta Ninfas". Dort angekommen genießt man einen unglaublichen Ausblick von den Steilklippen auf den Golfo Nuevo und die gegenüberliegende Peninsula Valdés. Auch treiben sich hier gerne Seelefanten herum.

An diesem Aussichtspunkt, Punta Ninfas, machten wir uns an den Abstieg, hinunter zum Strand. Die ganze Gegend besteht aus Steilklippen von etwa 100 bis 200 Meter Höhe. Der Abstieg lohnt sich, allerdings sollte man besser wissen wo man hinunter, oder besser wieder hinauf kommt. Runter kommt bekanntlich jeder!




Nach einem Picknick und einer ordentlichen Photosession, unweit einer ganzen Seelefantenfamilie, machten wir uns wieder auf den Rückweg. Die etwa 70km lange Schotterpiste ist so anspruchsvoll nun nicht, anfangs etwas verspurt, macht sie die Fahrt zum Eiertanz, der Rest ist aber harmlos. Die einzige Herausforderung besteht aus der Sicht... Entweder man hat den aufgewirbelten Staub vom Vordermann im Gesicht oder, wie auf dem Rückweg geschehen, regelrechte Nebelschwaden im Sichtfeld.

Steigt die Luftfeuchtigkeit am Abend, kommt es schon mal vor, daß sich Staub und Sand wie Nebelschwaden in der Luft halten, ohne Wind hängen sie dann dicht über der Piste und nehmen einem jede Sicht. Das macht richtig spaß!

Abgesehen von einem netten Abend in Madryn mit Billiard und Bier geschah sonst weiter nichts an diesem Tag. Am nächsten Tag wollten wir früh los, zu einem Ausflug auf die Halbinsel. Natürlich waren wir wieder mehr als spät dran, so hatten wir nicht zu viel Zeit. Wir fuhren den direkten Weg an der Küste entlang. Unterwegs, schon vor der Halbinsel machten wir, unbeeindruckt von der Verspätung, wieder Picknick am Strand. Am Playa el Doradillo ist in der Walsaison die Sau los, sowohl im Wasser als auch am Strand. Dort kann man durchaus mehrere dutzend Wale auf einmal beobachten. Für uns gab es allerdings nichts zu sehen, da wir für die Walsaison noch etwas früh waren.

Weiter auf den Weg zur Peninsula sahen wir die ersten Ñandus und Guanacos. Bei der Eintrittskontrolle (Es ist ja ein Nationalpark) gelang es Miguel, mich als Argentinier einzuschleusen. Hintergrund dazu sind die unterschiedlichen Tarife. Kommt man aus der gleichen Provinz (Chubut), zahlt man 8 Pesos, alle anderen Argentinier zahlen 14 Pesos, ist man ein "Gringo" hat man den Hauptpreis gezogen und darf für 45 Pesos auf die Halbinsel! (Preise, Stand mai 2009)

Nach erfolgreichem Betrug, besuchten wir ein kleines Fischerdorf und gleich darauf einen ersten Aussichtspunkt an der Vogelinsel, dieser war bei meinem letzten Besuch auf Valdés gesperrt, also auch etwas neues für mich! Nach einer gemütlichen Runde abseits der Hauptstraße, kehrten wir wieder zum Asphalt zurück und machten uns auf den Weg zu der einzigen Stadt der Halbinsel, nach Puerto Pirámides. Eigentlich wollten wir nur kurz für das Abendessen einkaufen und gleich weiter zum Campen am Punta Pardelas.

Natürlich war alles wieder etwas länger als erwartet. Da Miguel in ganz Puerto Madryn und Puerto Pirámides bekannt ist, trafen wir einige seiner Freunde und wurden "aufgehalten". Der Betreiber des Campingplatzes in Pirámides ist ebenfalls ein Freund von Miguel, den wir mal eben auf einen Mate besuchen gingen... der Mate dauerte etwas länger und schon saßen wir wieder im dunkeln. Machte uns nicht zu viel aus, da wir glatt wieder neue freunde gefunden hatten. Julio, Miguels Freund, bot uns noch an auf seinem Platz zu Campen. Da draußen gibts doch kein Licht, es ist windig und kalt, und weitere Argumente brachte er an. Als wir dann aber doch los wollten, schenkte er mir eine kleine Flasche Whisky, daß ich ihn daraufhin in mein Herz geschlossen hatte, dürfte klar sein!

Die Entfernung zum Punta Pardelas beträgt gerade mal 16km, allerdings sind die Pisten schon tagsüber nicht unproblematisch, Nachts wechseln sie ihren Status zu "interessant"! Der Hauptweg, der einen zur Inselrundfahrt führt, ist dermaßen verspurt, daß es einiges an Überwindung kostet am Gas zu bleiben. Danach folgt ein kurzes, weniger aufregendes Stück Schotterweg, das sich aber in ein mit Sandfeldern und Kurven übersähten Abenteuerausflug verwandelt. Vor anderthalb Jahren fuhr ich diesem Weg mehrmals ohne Probleme, da hatte ich aber auch Licht und keinen Beifahrer. Nun also Sandtaufe mit Beifahrer, Ergebnis... einmals links und einmal rechts... Karre hingeworfen. Beide "Stürze" nicht bei hoher Geschwindigkeit (was auch Erklärung genug ist!) und daher auch nicht zu dramatisch. Allerdings verbunden mit dem klassischen Alukoffer-Fuß-Problem. Einmal mein Fuß unterm Koffer, einmal Maris Fuß... das nenne ich gerechte Aufteilung. Zum Glück ist nicht zu viel passiert, nach ein paar Tagen merken wir beide schon nichts mehr davon.

Nun gut, angekommen am Punta Pardelas suchten wir uns einen halbwegs windgeschützten Platz, ruhten uns aus und hofften auf Miguels Angelkünste. Außer drei Krabben bekam er nichts an die Angel also wichen wir auf Plan B aus, Pasta! Zusammen mit dem Whisky wurde uns dann wieder warm und wir verkrochen uns in die Zelte.

Wegen der Sandstunts am Vortag und akutem Zeitmangel entschieden wir uns gegen die große Inselrundfahrt und machten uns nach einem gemütlichen Camping-Kaffee/Mate Morgen auf den Rückweg nach Puerto Pirámides. Dort angekommen besuchten wir wieder Julio auf seinem Campingplatz. Die Ursprüngliche Idee war, ein paar Chorizos (Würstchen) zu kaufen und am Strand zu Grillen. Nach ein paar Mate auf dem Campingplatz wurde plötzlich ein echtes Asado daraus. Da wir noch einen Rückweg von 450km vor uns hatten, wollten wir eigentlich früh los, allerdings ließen wir uns gerne dazu hinreissen noch mit ihnen zu Essen.

Nach etlichen Stunden machten wir uns tatsächlich auf den Weg zurück. Der besteht zuerst einmal daraus, von der Halbinsel herunterzukommen.

Die Straße ist eigentlich geteert, allerdings hielt man es für nötig die Straße auszubessern und auf einer länge von 20km aufzureissen. Die Behelfswege links und rechts der eigentlichen Straße waren schlimmer als die übelste Wüstenpiste... breit für ein Auto, tiefe Spuren und fast nur Sand. Etwas leichter und etwas mehr Licht und ich hätte meinen Spaß gehabt. Unter diesen Bedingungen, sind wir dann aber doch auf die, eigentlich gesperrte, Straße ausgewichen. Dank unserem Timing sahen wir noch einen wundervollen Sonnenuntergang. Sonnenuntergänge die regelrecht den Himmel in Brand setzen, wiederholen sich hier in Patagonien fast täglich, sind aber doch immer wieder anders und beeindruckend!

Naja, da auf den Sonnenuntergang üblicherweise Dunkelheit folgt, fuhren wir wieder im dunkeln zurück. Nicht weiter schlimm, da es zwischen Puerto Madryn und San Antonio nichts aber auch gar nichts zu sehen gibt... Patagonische Steppe eben. In San Antonio angekommen, hätten wir glatt noch weiterfahren können, allerdings beschlossen wir auch die letzte Nacht des langen Wochenendes auszunutzen und in San Antonio zu campen. Da der einzige Campingplatz scheinbar geschlossen war, die Schranke aber leicht zu umfahren war, hatten wir eine einsame, ungestörte und vor allem kostenlose Nacht.

So sind wir also nach einem weiteren faulen Campingmorgen wieder auf die Straße und haben die letzten Kilometer hinter uns gebracht. Auf typisch Argentinische Art nutzen wir das lange Wochenende bis zum letzten bischen aus und kamen, eine Stunde bevor Marisol zur Arbeit musste, wieder zu Hause an!