Ruta 40

Nun habe ich mir ja selber versprochen über diese legendäre Straße zu berichten. Schaffe es nun auch endlich, obwohl ich noch nicht die gesamte Strecke hinter mir habe. Ich bin im Moment zurück in Buenos Aires und mir fehlt noch der nördliche Teil der Route. Von Mendoza nach Norden wird sie noch mal richtig interessant, dazu aber mehr im zweiten Teil.

Die legendäre Ruta 40! Kaum ein Traveller in Südamerika der sich nicht wünscht sie zu meistern, sie zu bezwingen, es ihr zu zeigen... "Ich bin der größte "Ripiorider" der Welt, du kriegst mich nicht klein!! Die meisten Reisenden sprechen, fast schon im Flüsterton, von "der quarenta" - meist um anderen Reisenden davon zu berichten und um ihnen Tips zu geben wie Mit der Maschine überlebst Du da nie!, Du schaffst die Strecke niemals in xx Tagen oder Ich habe mal gehört, daß.... Die Stimmen klingen dann fast als hätten sie Angst vor einem Stein der ihnen noch hinterhergeworfen wird, wo immer sie auch gerade sind!

Die Tücken der Ruta 40

Tatsächlich ist die Ruta 40 nicht ganz ohne. Auf Bauabschnitten (sie wird mehr und mehr zur Teerstrasse) wird man mit den herrlichsten Umleitungen beglückt. Kurz vor dem Teerbezug wird man durchaus mal durch unsagbar tiefe Schotterbetten geschickt, das ist nun allerdings der Baustellenmodus.

Gewöhnlich besteht die Gefahr auf der Strecke aus Überschätzung! Man ist unterwegs mit 80 km/h Weit und breit ist nichts (nichts!) zu sehen und man wünscht sich etwas mehr Gas zu geben. Man fährt also 90-100 km/h. Die Maschine gräbt sich durch jede Schotterrille die da kommt und ist so stabil wie schon lange nicht mehr. Nun überfällt einen das "Ich bin der König der Welt-Gefühl" und man gibt richtig Gas. Wenn man dann bei 120 km/h einen der netten kleinen Felsbrocken unter der Schotteroberfläche oder das nächste Schlagloch übersieht, so war es in Erzählungen meist nur die Straße, die für die gebrochenen Knochen und das in Stücke zerfallene Motorrad verantwortlich war.

So etwas passiert natürlich auch bei weit langsameren Geschwindigkeiten. Das Problem ist aber nach wie vor hausgemacht. Die einen überschätzen sich selber, die anderen unterschätzen die Straße und verkrampfen sich. Die Ruta 40 wirkt wie eine Schotterautobahn, die einem allerdings mit versteckten Fallen das Leben versüßt.

Tiefer Schotter, Schlaglöcher, Felsen, sautiefer Fahrbahnrand, Patagonischer Wind und ständig wechselnde Verhältnisse sind die Spezialitäten. Wer sich immer vor Augen führt, daß er sich jeden Moment samt Motorrad überschlagen kann und dabei doch locker bleibt, der kommt auch wunderbar durch.

Mein Fazit - Sie wird überbewertet!

Natürlich haben sich schon einige auf dieser Straße lang gemacht und natürlich kann man die Ruta 40 unter guten und unter schlechten Bedingungen fahren. Ist es windig, hat man ein Problem, wird sie schlammig, hat man verloren! Bei Nässe wird die Sache zum regelrechten Eiertanz. Ich hatte allerdings das Vergnügen nur den Wind kennengelernt zu haben!

Allein in meiner Zeit in Patagonien haben sich etwa 5 Reisende, mit mehr oder weniger schlimmen Folgen, in die lange Liste der Opfer eingereiht. Ich bin allerdings schwer davon überzeugt, daß es schlicht und ergreifend eine Folge der einlullenden Umgebung und der daraus entstehenden Über- bzw. Unterschätzung ist. Die Straße selber ist eine der besseren Pisten, natürlich mit Überraschungen, auf die man aber gefaßt sein sollte!


Sollte sich nun jemand auf die Füße getreten fühlen... es ist weder böse noch überheblich gemeint! Meine dusseligsten "Unfälle" habe ich gewöhnlich bei Motorradtreffen und beim Ausflug zur Eisdiele!!!