Fahrt zum Fluß

Eines Samstags, gerade als die beiden Liechtensteiner Axel und Renee (Sie ist eigentlich aus Südafrika) abgereist waren, fragte Javier ob wir (also Daniel, Gerben aus NL und ich) mitkommen wollen. Er wollte mit seinen Freunden eine Runde auf dem Motorrad drehen und drüben am Fluß (Rio de la Plata) was essen gehen.

So machte ich mich fertig um nach zwei Wochen mal wieder eine Runde auf dem Motorrad zu drehen. Als ich meine Maschine hinausbeförderte und mich fertig machte hörte ich ab und an leises Gemurmel. Ich stand da mit dieser überzüchteten AfricaTwin und war bekleidet mit der Enduro-Vollausstattung, während um mich herum recht einfache aber schöne Maschinen standen, die von mehr oder weniger verrückten Fahrern benutzt wurden. Der eine ohne Helm, der andere mit kurzer Hose, ... Jeder wie er meint!

Am Rio de la Plata angekommen, konnte ich mein Grinsen nicht verbergen. Die Jungs sind gefahren wie die Henker! An den roten Ampeln der kleineren Kreuzungen wurde zwar hier und da auf den Verkehr geachtet aber doch durchgefahren. Autos wurden unter Ausnutzung kleinster Lücken überholt, im Zweifelsfall machten sie auch Platz. An roten Ampeln oder Bahnübergängen wurde sich grundsätzlich bis zur Haltelinie (oder weiter) durchgekämpft, Geschwindigkeitsbeschränkungen wurden allenfalls als Richtwerte wahrgenommen.

Kurz: Ich hatte das Gefühl mit den Hells Angels von Buenos Aires auf der Piste zu sein!

Bei Carlitos
Leo auf Chupacabra

Lebendig angekommen, machten wir es uns in einer Zweigstelle des »Carlitos« gemütlich. Da ich auch schon gelernt hatte, daß man diesen Laden mit seinen 700 Varianten von Burgern, Lomitos und Pfannkuchen nicht unterschätzen sollte, hielt ich mich diesmal etwas zurück und bestellte eine Portion die für einen Argentinier eher als »postresito« (Nachtischchen) wahrgenommen werden würde. Im Carlitos lockerte sich auch die Stimmung (meine und mir gegenüber), das lag wohl daran, daß man mich nun etwas kennen gelernt hatte, und daß die anderen sich davon überzeugen konnten, daß ich dieses Ungetüm von Motorrad auch bewegen kann.

Bei Carlitos

Da es an diesem Tag noch etwas windiger wurde, gerade mal ein Zehntel dessen was mich in Patagonien erwartet, aber in der Stadt schon ein ordentlicher Sturm, kam es leider auch zu einem Unfall mit den Maschinen. Drei der leichteren Motorräder wurden vom Wind umgerissen und fielen ineinander - Sandra`s Motorrad war mit dabei, Javier musste es ihr später noch erzählen! - Zum Glück konnte ich mich dabei entspannt zurück lehnen, da mein Eisenhaufen von Motorrad bei der Brise nicht mal ansatzweise bewegt wurde!

Der Rückweg stand der Hinfahrt in nichts nach! Es ging über die Autobahn - ich beschreibe mal nicht wie überholt wurde - später fuhren wir durch die kleineren Häuserblocks ohne Ampeln, in solchen Fällen wird vor der Kreuzung gehupt und weitergefahren. Leo, der bis dahin Daniel hinten drauf hatte und sich zurückgehalten hatte, war nun von seinem Beifahrer befreit und rückte mir mit seine 650er Kawa auf die Pelle. So sehr wollte ich es dann aber doch nicht krachen lassen und ließ ihn an mir vorbei, um die letzten Blocks in aller ruhe zu fahren.

Wieder bei Dakar Motos angekommen, testete ich mein Spanisch mit ¡Que locos que son! - Das grinsen der anderen verriet mir, daß ich verstanden wurde. Nach der ganzen Hetzerei auf der Straße genoß ich die gesellige Runde bei Mate und spanischer Öl- und Benzinquatscherei.

Das war meine Feuertaufe... und ich lebe noch!

Udate, drei Jahre später:

Ich fahre jetzt mindestens genauso bescheuert - ehhm - Argentinisch.