HU 2007 - Argentinien

Im Gegensatz zur Meinung vieler Reisender hier in der Gegend, habe ich es tatsächlich geschafft Jorge in Azul zu verlassen. So traurig er auch war seinen Dauergast zu verlieren, so sehr konnte er aber auch verstehen, daß ich zum Motorradfahren in Südamerika bin und mich hier und da auch mal zu einem Ortswechsel antreiben muß.

Stammtisch Ushuaia

Die Mission, den Aufkleber des AT-Stammtischs Ushuaia nachdrucken zu lassen habe ich im übrigen erfolgreich abgeschlossen, Termingenau stand der Chef mit den Aufklebern vor La Posta. Ich schätze, ich hatte Glück, daß es ein Freund von Jorge war, sonst hätte es wohl noch den einen oder anderen Tag gedauert.

Am Vorabend meines Aufbruchs kamen Gerben und Mick O'Malley noch in La Posta an, so sind wir also zu Dritt in die Sierra de la Ventana gefahren. Eine Gebirgslandschaft (die eher im Holländischen Sinne als gebirgig zu verstehen ist) ca. 300 km von Azul. Der Weg dorthin verlief typisch geradeaus und langweilig, mit Unterstützung meines MP3-Players blieb ich allerdings wach! In der Sierra angekommen verändert sich die Landschaft dramatisch, es kühlt ein wenig ab, die Straßen verlaufen nicht mehr stur geradeaus und die Natur wird auch wieder grüner. Eine herrliche Gegend für eine gemütliche Wanderung, ein beliebtes Ziel ist der Berggipfel, dem die Sierra ihren Namen verdankt. Ein Loch oder auch Fenster im Berggipfel bringt Menschen dazu 2 Stunden lang den Berg hinauf zu pilgern. Auch ich hätte es glatt gemacht, allerdings waren wir ja nur auf der Durchreise.

Veggie-Asado
Sierra de la Ventana
Ruta 3

Am Zeltplatz in Villa de la Ventana (einer doch ziemlich touristisch angehauchten Stadt) angekommen trafen wir auch wieder auf Uschi, die einen Tag früher mit der letzten Gruppe von Azul aufgebrochen war und sich die Zeit für die Sierra genommen hat. Nach einem abendlichen Vegi-Asado und ein wenig Wein (ein grosser Teil davon landete auf meiner Hose!) fielen wir völlig erschöpft von unserem 300 km weiten Trip auf die Isomatten. Ich für meinen Teil fiel nur auf die obere Hälfte, da sich die kleine Blase auf die komplette untere Hälfte ausgedehnt hatte!

Den Weg nach Viedma, der sich zum großen Teil auf die Ruta 3 beschränkt, brauche ich nun nicht großartig zu beschreiben. Der Verlauf dieses »Patagonian Highways« besteht gewöhnlich aus 50 km geradeaus, 30km geradeaus, Kurve links, oh ein Stein;, schau mal ein Baum, nach 40 km kommt auch schon die nächste Kurve, ... Mick, der schon 2003 in Südamerika war (Gruß an Mark, Klaus, Jörg, Markus, Frank,...) munterte uns damit auf, daß dieser Teil der Ruta 3 im Gegensatz zum Süden viel Interessantes und alle 100 km eine Tankstelle bietet. Das kann noch heiter werden!


Meine Güte... ich will über Viedma schreiben und bin nach einer Seite noch nicht mal in Rio Negro angekommen! - Wir sind also Freitag nachmittags angekommen und haben nach kurzer Suche den Campingplatz am Strand gefunden; die erste Travellerprobe bestand aus der Überwindung des zusammengewehten Sandes vor der Einfahrt, die südamerikanische Variante des »Teschflusses«. Die meisten Reisenden hatten sich schon zusammengefunden als wir auf den Hof kamen und von Javier aus BsAs begrüßt wurden. Einen großen Teil der Gäste kannte ich nun schon aus Buenos Aires und Azul und es war schön ihnen wieder zu begegnen um die Geschichten der letzten Tage und Wochen auszutauschen. Natürlich lernte ich hier auch viele neue Leute kennen, nicht zuletzt die Familie Knecht, die Organisatoren des Treffens. Sie haben sich gefreut wieder von den Reisenden zu hören die ich aus Deutschland kenne. Die Grüße per e-Mail kamen zwar zu spät an aber ich glaube ich habe jeden erwähnt!

Die Gäste kamen, wie für Viedma typisch, aus der ganzen Welt und verstanden sich untereinander prächtig. Für gewöhnlich steigert sich die Verständigung ab Sonnenuntergang dramatisch. Das könnte unter anderem an der grammatikalischen Enthemmung durch Zuhilfenahme von Alkohol liegen. Gemeinsame Sprache ist ja wie so oft Englisch, überflüssig zu erwähnen, daß ich auch an diesem Wochenende nicht zum Spanisch lernen kam! Am ersten Abend organisierten wir Gäste ein Asado, das mit Hilfe von Oscar und Javier auch recht erfolgreich war. Da Daniel, Meister des Chimichuri-Aleman noch durch Abwesenheit glänzte, mußte ich einspringen um diesen typisch Argentinischen Salsadip zuzubereiten und aufzupeppen. Die Deutsche Variante ist ein »wenig« schärfer als die Argentinische da hier (so gut wie) gar nicht scharf gegessen wird. Für mein Chimichuri wurde ich an diesem Abend über den grünen Klee gelobt, am nächsten Abend bekamen sie dann die echte Version... Meins sei aber auch ganz gut war dann die abschließende Meinung. Immerhin bekam ich auch von Daniel und Chefkoch Gerben ein Lob, das ist dann schon was wert!

Asado
Asado
Asado
Massage für Oscar
Day After

Samstags, dem eigentlichen Beginn des Treffens, gab es natürlich das nächste Asado, ansonsten bestand der Tag aus internationaler Benzinquatscherei und Faulenzerei. W$auml;hrend einer Tour an den Strand und in die Sanddünen mit Daniel und Javier grub ich meine Africa Twin erfolgreich bis unter die Koffer in den Sand ein und konnte es dadurch erst einmal beruhigt so stehen lassen. Daniel folgte der obersten Regel: »Wenn keiner verletzt ist, erst fotografieren, dann helfen!«.

Ra, Carola und Ralf

Nach unserer kleinen Sandspielerei traf ich auf deutschen Zuwachs in Südamerika... Meine neue Isomatte! - Ach ja, Carola, Ra und Ralf sind auch angekommen. Das lustige Dreiergespann aus Hamburg und dem Bergischen Land hat mich in nur einer Woche in Argentinien eingeholt, wie schnell man doch unterwegs sein kann wenn man zu dem Treffen will!

Dank einer leichten nächtlichen Überdosis des immer wieder beliebten Blutverdünners verlief der nächste Morgen etwas schleppend. Oscar kündigte die heutige Ausfahrt zwar für zehn Uhr an, richtig geglaubt hat ihm aber niemand, da jeder wußte, daß es sich um Argentinische Zehn Uhr handelt - Einstein muß in Argentinien gewesen sein als er erkannte das Zeit relativ ist! Die Ausfahrt führte an der Küste entlang zu »La Loberia« der größten Seehundkolonie in Südamerika (Ich habe keine Ahnung ob das stimmt aber so wurde es mir gesagt). Gute Fotos gab es leider nicht so viele, da der Bildstabilisator im Teleobjektiv dem Wind und auch meinem etwas geschundenen Körper nicht mehr gewachsen war.

Steilklippen
Seerobben
Seerobben
Kolonie bei La Loberia
CloseUp
CloseUp
Glückstreffer
Auch ma hoch!

Daß der Mensch ein äußerst dummes Tier ist, zeigte sich auch an diesem Abend. Alle die Morgens noch jammerten und geschworen hatten, nie wieder Alkohol zu trinken, erlagen auch an diesem Abend wieder dem Gruppenzwang. Dank eines ausgewachsenen Sandsturms verlagerte sich die Masse allerdings in das angemietete Appartement. Alles in allem ein netter Abschiedsabend und ein erfolgreiches Treffen mit vielen neuen Bekanntschaften. Einige trifft man dann in Valdez oder in Ushuaia wieder... es ist doch ein verdammt kleines Land!

Die ganze Bande
Floppy beschäftigt

Ich bin froh das Treffen mitgemacht zu haben, kann allerdings die Stimmung nicht so recht wiedergeben. Jedenfalls ist mir bei den abendlichen Runden wieder aufgefallen, daß ich nicht nur mit vielen Menschen zusammensitze die auf Reisen sind, sondern einer von ihnen bin. Diese Zugehörigkeit wollte sich bisher nicht so richtig durchsetzen, in Giebolderhausen war ich zwar auch ein Teil dieser Menschen und wurde herzlich aufgenommen, nun fühle ich mich aber doch noch mehr »dabei«!

Die Knechts, leider ohne Camilla

Man hat mir mal gesagt, daß das Treffen in Viedma zwar ganz nett sei, ich mir aber für ein Motorradtreffen nicht ein Bein ausreissen soll... Ich gebe nun aber jedem den Rat unbedingt zum HU-Meeting in Viedma zu kommen solange es sich zeitlich einrichten läßt und man nicht gerade auf der anderen Seite Argentiniens ist. Dieses Treffen ist ein Pflichttermin und Oscar Knecht und seine Familie sollte man ebenfalls nicht verpassen!

Abschiedsworte an Oscar:Wenn ich langsam genug bin, komme ich nächstes Jahr wieder!