Run Forest, run

Ja, OK, Carola mag Stinktiere. In einem ihrer Blogeinträge ist es nicht zu übersehen. Aber keine Sorge, die komplette geistige Einigkeit haben wir nun noch nicht. Diese Geschichte ist nun schon ein paar Monate her...

Auf der Schotterpiste von Puerto Madryn nach Rawson (eine der langweiligeren Strecken) gab ich in meiner gewohnten Reisegruppe etwas mehr Gas; ich glaube ich war sogar vor Ali mit seiner KTM.

Es war eine der Strecken bei denen man nicht unbedingt immer die freie Auswahl über die eigene Fahrspur hat. OK, man kann sie sich schon aussuchen aber man muß sich bis zur nächsten Gelegenheit die sich schottertechnisch bietet, und dem Zeitpunkt der Anpassung der eigenen Reisegeschwindigkeit an die realen Gegebenheiten gedulden. Ist die Kombination aus Straßenbeschaffenheit und eigener Realitätswahrnehmung wieder annehmbar, so hat man auch wieder Kontrolle über sein Schicksal. In dieser einen Situation war mindestens eine der Bedingungen nicht erfüllt... mit anderen Worten: ich genoß den freien Schuß mit ca. 100 km/h in verdammt tiefen Schotterspuren und fühlte mich soweit ganz wunderbar!

Bis dieser kleine Besucher aus der heimischen Fauna beschloß mich zu begrüßen! Ich fuhr also vor mich hin als dieses kleine Stinktier (und das ist nicht sprichwörtlich gemeint!) über die Piste rannte und sich genau in meiner Spur dazu entschloß sich die Gegend mal genauer anzuschauen... Es könnte ja etwas Gefährliches auf einen zugerauscht kommen. Nun kam tatsächlich ein insgesamt ca. 400 kg schwerer Eisenhaufen auf Forest (so nenne ich meinen kleinen Skunk mal) zugerast! Er, nicht doof, bleibt standhaft in der Spur stehen, fängt zwar leicht an zu schielen (der Fahrer der Africa Twin nicht weniger, bei dem verzweifelten Versuch die Spur zu wechseln oder zu bremsen) als dieses Ungetüm auf ihn zu kam, Forest aber blieb nach wie vor standhaft in "seiner" Spur.

Nun nahmen Dinge, die schon seit Jahrtausenden Geltung haben, ihren Lauf... Mensch denkt: "Wenn ich mich nicht selber retten kann, muß die Sau halt dran glauben", Skunk (Forest) denkt: "Papa hat gesagt... verpaß ihm einen!". Nun kann man den Lauf der Dinge in manchen Situationen nicht stoppen und läßt die Dinge geschehen wie sie halt kommen. In diesem Fall hielt ich nach Fahrschulmanier auf diesen Standhaften kleinen Kerl zu und richtete mich darauf ein einen kleinen Stoß unter dem Eisen zu bemerken, zu ignorieren und, froh über mein Leben, weiterzuziehen. Eine Kombination aus Forest und Murphy wollten es anders... Der Zufall (oder Murphy!) wollte, daß ich Forest um ein Haar verfehle (Natürlich bin ich froh, ich mag Tiere... bis hierher!) und er sich prompt an Vater´s Lehren erinnerte, seinen Schwanz hob und seinen Charme sprühen ließ!

Nach einigen hundert Metern und recht irritierender Geruchskulisse hielt ich an und inspizierte die Unterseiten von Maschine und Alukoffern... erfolglos! Zuerst bekam ich die Auskunft: "Falls Du das Stinktier suchst, das hat überlebt" ... Es stand wohl noch aufrecht in der Spur und hatte die Waffen zum Kampf erhoben! Später wurde mir natürlich noch vorgehalten, daß ich dieses arme arme Stinktier fast getötet hätte. Daß es weniger ich war, der sich mit Forest angelegt hatte, sondern eher er es war, der nicht rannte sondern sich mit einem 100 km/h schnellen und schweren Eisenhaufen anlegte, wurde in einem doppelten Anfall von weiblichen "das war doch sooooo süss!" ignoriert. So war ich also selber an meinem unsagbar stinkenden Motorrad schuld!

Ganz richtig... erwischt dich Forest auch nur im vorbeifahren, kann es noch immer ganz schön auf die Nase gehen... sogar heute (3 Monate später) glaube ich es manchmal noch zu riechen!