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Wenn Reisende aufeinander stoßen können schon mal nette Geschichten dabei entstehen!! Hier die Geschichte wie ich auf Carola von easyri.de und ihre Mitreisenden Ra und Ralf gestoßen bin. Eine »Fahrgemeinschaft«, die bisher ca. zwei Wochen hält und noch immer riesigen Spaß macht!



Das Treffen in Viedma ist vorbei, die meisten sind abgereist, nur ein kleiner Rest blieb bis Montag. Es ist also eine kleine Truppe bestehend aus Carola, Ra und Ralf (die als feste Gruppe unterwegs sind), Uschi, Ted aus England und mir. Mehr oder weniger gemeinsam wollen wir in Richtung Península Valdéz aufbrechen. Ted und ich wollen zusammen fahren, Uschi will sich der ersten Gruppe anschließen die aufbricht.

So machen wir uns also jeder für sich fertig zum Aufbruch, Ralf und seine beiden müssen allerdings noch warten, da er seine reparierten Packtaschen noch abholen muß. Da ich die unglaubliche Fähigkeit besitze meinen Kram in kürzester Zeit in etwas zu verwandeln, das wie ein Wühltisch beim Outdoorausstatter an einem verkaufsoffenen Sonntag aussieht, brauchte ich auch etwas länger, schaffte es aber, die erste abfahrende Gruppe zu bilden und fuhr so mit Ted und Uschi los.

Bereits am Vorabend waren sich alle einig nicht auf der totlangweiligen Ruta 3 zu fahren, sondern die Küstenstraße in Richtung San Antonio de Oeste. Gesagt, getan - Bis kurz vor La Loberia war es die geteerte Straße, die wir schon kannten, danach begann (wie vermutet) die erste Schotterpassage die uns bis San Antonio bringen sollte. Ted auf seiner straßenbereiften XT600 voraus und ich hinter Uschi die mit ihrem Gepäck doch etwas unsicher unterwegs war.

Uschi's crash
Uschi's bush

Nach etwa 5 km schaukelte sich die kleine 350er DR von Uschi dermassen auf, daß ich dachte, ich könnte gleich schon mal ihr Gepäck einsammeln... Glück gehabt, sie konnte anhalten und durchatmen. Nach weiteren 10 km war es dann soweit, nach dem gewöhnlichen Aufschaukeln, stellte sich die Maschine quer um sich in einer beachtlichen Staubwolke um beide Achsen zu drehen, Uschi abzuwerfen, den neuen Windschild und einen Spiegel in kleinen Stückchen auf dem Weg zu verteilen und sich dann gemütlich auf dem linken Koffer abzulegen.

Uschi ist außer einem gehörigen Schock, einem geprellten Knie und den aufkommenden Kopfschmerzen zum Glück nichts passiert. Der Alukiste konnte ich mit Hilfe der Axt, die mir Gerd beim Treffen in Viedma aufgeschwatzt hatte, wieder zu einer kofferähnlichen Form verhelfen, weitere Schäden gab es glücklicherweise nicht, mal abgesehen von dem zerstörten Tacho und einigen Kratzern und Dellen. Während der ersten Reparaturpause holte uns auch schon Ralf ein, dicht gefolgt von Carola und Ra. Da soweit alles wieder in Ordnung war, setzten sie sich ab und fuhren schon mal voraus.

Patagonien mit Motorrad dran
Patagonien mit Spiegel drin

Nach dem Unfall fuhren wir wie gewohnt weiter, Ted voraus und ich hinter Uschi. Leider konnte und wollte sie vorerst nicht schneller fahren und ich gab ihr die Zeit die man braucht um dem wackelnden Motorrad wieder zu vertrauen und blieb hinter ihr. Auch das beste Zureden half nicht und wir kamen nicht über die 30 km/h-Marke hinaus. Das führte bei mir zu ausgedehnten Zigaretten- und Fotopausen, nach denen ich sie in kürzester Zeit wieder einholte. Die Qualität des Weges wechselte zwischen einem zweispurigen Schotterweg mit etwas losem Schotter zwischen den Spuren, dem einen oder anderen harmlosen Sandfeld und einer breiten, hier und da verspurten Schotterpiste. Mit bis zu 110 km/h schoß ich über die Piste und vergaß all die guten Ratschläge zum Überleben auf súdamerikanischen Pisten.

A broken english guy
A broken english box
Das Unfallcamp

Nach ca. 5 km holte ich Uschi wieder ein und sah in der Ferne auch schon ein anderes Motorrad warten. Das muß Ted sein. Aber warum steht sein Motorrad quer am Rand der Piste? Oh, zwei Motorräder! Wo kommt Carola nun wieder her? Waren die nicht schon weg?? Der Nachteil beim »ganz hinten Fahren« ist definitiv, daß man nichts mitbekommt, der Vorteil bestand für mich aber darin, nicht in die gleiche Raserei zu verfallen wie Ted. Er holte die vordere Gruppe ein, muß also schon einen heißen Reifen hingelegt haben, überholte Ra und Carola, schaffte es allerdings nicht mehr Ralf einzuholen bevor sich seine XT dazu entschied sich in kleine Einzelteile auf der Piste zu zerstreuen. Der Metal Mule Box und dem Träger auf der Linken Seite verhalfen wir mit gut dosierter Gewalt wieder in eine halbwegs passende Form, den abgerissenen Kupplungsschalter konnten wir überbrücken. Die zerfetzte Lenkeraufnahme konnte mit Mühe und Not wieder zurechtgbogen werden, würde allerdings jeden deutschen TÜV-Prüfer in den Wahnsinn, wenn nicht sogar zum Selbstmord treiben.

Da wir es mit Schleichtempo und gleich zwei mobilen Werkstattpausen nicht allzu weit schafften, zählten wir gleich mal unser Wasser zusammen und entschlossen uns zwischen Piste und Viehtränke zu übernachten. Da Ted zusammen mit seinem Motorrad auch gleich die letzte Packung Wein zerstörte und ich mich fluchend an den Moment erinnerte, in dem ich Mick meine letzte Flasche Wein vermachte, da ich keine Lust hatte sie zu verstauen, saßen wir auf dem trockenen und mußten uns anderweitig vergnügen...

Patagonische
weiten

Unglaublich aber wahr, dieser Abend wurde lustiger und denkwürdiger als so manch einer mit Alkohol, wir wissen bis heute nicht was es wirklich war, ich glaube ja es war etwas im Wasser!! Nach der abendlichen Feldküche und dem Abwasch mit Wasser aus der Viehtränke, saßen wir zusammen auf der Gemeinschaftsplane, Carola kam dank dem leicht lädierten Rücken von Ted und Uschi auf eine Gruppenmassage, die sie gewöhnlich mit ihren Patienten macht. So fing es an, daß wir kollektiv auf der Plane (oder im Dreck daneben) herumlungerten, uns abwechselnd massierten oder uns einfach nur warm hielten wie die Pinguine! Die Stille an der nächtlichen Piste wurde nur von der einen oder anderen Lachattacke unterbrochen. Ted's Kommentar zu seinem Sturz während der Massage:Thank God for crashing my bike!.

Bis es endgültig zu kalt wurde (oder es zu weit gehen würde), lagen wir zusammengekuschelt und teilweise kraulend ineinander verstrickt und ich freute mich laut lachend auf den Moment in dem ich hier von meinem harten, einsamen Leben auf den Pisten Südamerikas berichte... Es ist verdammt hart, seid froh, daß ihr zu Hause in den Wohnungen sitzt und ein vernünftiges, regelmässiges Leben führt!!


Die weitere Strecke nach Península Valdéz legten wir in abwechselnder Gruppenstärke zwischen 1-5 Leuten zurück und hielten uns wo es nur ging an Pisten und vermieden zu 90% die Ruta 3!