Vater's Tagebuch

Mein Vater ist Tagebuchschreiber. Vor einiger Zeit bot er mir an, mir den Eintrag über unsere Abfahrt nach Hamburg für die Homepage zu schicken.

Kurz Aufgeklärt: Wir sind zu Zweit nach Hamburg, beide auf den Motorrädern, hatten dort noch Zeit und er konnte bis zum Schiff mitkommen. Wollte wohl doch nur sichergehen das ich auch wirklich weg bin.

Der Weg nach Hamburg zum Schiff

Es war Donnerstag der20.09.07 und wir saßen bei unserem letzten Frühstück zusammen. Eigentlich war unser Plan, daß wir uns gegen 09.00 Uhr auf den Weg machen wollten.

Aber Sebastian hatte am Rechner so viel zuerledigen, was auch immer es war. Die Zeit floß dahin und dann war es so weit. Die Maschinen wurden auf dem Parkplatz positioniert. Dort warteten schon einige Freunde auf die Abfahrt. Karin kam auch mit Philipp (Anm. des Sohnes: Das ist der Hund). Als wir dann los fuhren kamen bei Karin doch die Tränen und sie weinte. Sie tat mir so leid, aber ich fuhr ja mit und konnte sie nicht trösten.

Ich fuhr hinter Sebastian her. Am Anfang schaukelte er doch noch ein wenig, aber bald hatte er seine Maschine mit den vielen Kilos Übergewicht im Griff. Es ging zuerst noch nach Essen nach Louis. Dort brauchte man noch Ersatzöl, das ich gestern in Duisburg bei Polo nicht bekommen habe.

Ungefähr 30 km vor Hamburg fuhren wir auf einen Autohof und tankten. Dort brachte ich mein Navigationsgerät an, weil es nun irgendwann abgeht zum Hotel. Da ich nun nur auf mein Navi schaute verpaßte ich schon die Autobahnauffahrt. Wir drehten in einem Kreisverkehr und versuchten es noch einmal. Danach klappte es dann.

Wir fuhren in HH-Süd von der Autobahn in Richtung auf die Elbbrücken. Es war Berufsverkehr und der Verkehr war zähflüssig, trotzdem kamen wir gut voran. Seltsamerweise waren die Staus immer in der Gegenrichtung. Von der Elbbrücke sahen wir schon das große Gebäude vom Holliday Inn. Nach einigen Rechtskurven waren wir da und meldeten uns an. Der Weg in die Tiefgarage war problematisch, weil man die Motorräder nicht anerkannte und das Garagentor ging nicht auf.Zurück ging es nicht, dort standen andere Autos und es ging bergauf. Wir sagten im Hotel Bescheid und jemand machte das Tor dann manuell von innen auf.

Wir fuhren auf unser Zimmer in die 11. Etage und räumten ein. Sebastian ließ sein Gepäck auf dem Motorrad. Nun war essen angesagt. Sebastian mußte richtig Hunger gehabt haben. Danach machten wir uns schlau wie wir in die Stadt zu den Landungsbrücken kommen.Ungefähr 5 Minuten vom Hotel entfernt war eine Bushaltestelle. Wir fuhren bis zum Hauptbahnhof und dann mit der U3 zu den Landungsbrücken. In der Dunkelheit war nicht viel zu sehen. Wir liefen etwas hin und her und dann aber zur Reeperbahn. Die Straße war nicht weit weg. Wir gingen auf einer Seite runter und auf der anderen wieder hoch. Sebastian hatte eine kleine Kneipe entdeckt und wir tranken dort einige Bier und unterhielten uns. Manchmal saßen wir aber nur da und sagten nichts. Jeder war mit seinen Gedanken beschäftigt. Gegen Mitternacht fuhren wir mit einer Taxe dann zurück zum Hotel und gingen zu Bett.

Morgens schauten wir aus dem Fenster in Richtung zum O'Swaldkai. Sebastian entdeckte dort die MV Buenos Aires. Zuerst wollte ich es nicht glauben, aber mit dem Teleobjektiv konnten wir den Namen lesen. Eigentlich ein tolles Erlebnis, daß wir ein Zimmer gerade in die Richtung erhalten haben und auch noch dieses Hotel ausgesucht hatten.

Nach dem Frühstück fuhren wir wieder zu den Landungsbrücken und buchten mit einem Raddampfer eine Hafenrundfahrt. Unterwegs wurde sehr viel erklärt und ich fand das alles interessant. Nicht ganz, aber fast kamen wir wieder an der MV Buenos Aires vorbei.

Wieder an Land spazierten wir dann zu der Speicherstadt und liefen dort hindurch. In der Stadt wurde dann viel fotografiert. In uns kam aber eine Unruhe auf und wir bereiteten uns auf den Rückweg zum Hotel vor. Unterwegs an den Landungsbrücken aßen wir noch etwas und fuhren dann zurück.

Wir packten unsere Sachen und fuhren dann zum O'Swaldkai. Mein Navi führte uns gut. Zuerst fuhren wir unbehelligt durch ein Zolltor und kamen dann bald zu dem Betriebsgelände von Unikai und dem Schuppen 48. Es war alles abgesperrt und nur durch einen Schlagbaum zu erreichen. Wir mußten uns in dem Wachgebäude anmelden. Ich mußte als Besucher meinen Paß abgeben und bekam einen Besucherclip für die Jacke. Bald kamen noch andere Passagiere. Ein Ehepaar mit einem Steyer-Puch aus dem Tessin und ein Paar mit einem Wohnmobil aus Coesfeld. Mit einem Shuttle fuhren die Passagiere dann zum Schiff um sich anzumelden. Ich blieb bei den Maschinen und wartete. Dabei konnte ich sehen, was alles in Richtung Kai und Schiff fuhr. Mähdrescher und andere große Landmaschinen. Sattelzüge mit neuen Pkw und jede Menge ältere und alte Autos, die vermutlich für den Senegal bestimmt waren.

Dann bekam ich einen Anruf von Sebastian. Sie waren auf dem Schiff zum Essen eingeladen und es würde noch etwas dauern. So stand ich auf dem Parkplatz und schaute mir weiterhin das Treiben an. Ich lief hin und her und ließ dabei die Motorräder nicht aus den Augen. Ich holte mir im Wachgebäude eine Tasse Kaffee und eine Tafel Schokolade. Langsam wurde es dämmerig und dann dunkel. Von weitem sah ich die Lichter des Schiffes. Ich schrieb Sebastian ein SMS, daß man die Hälfte seines Lebens vergeblich wartet und die andere Hälfte schläft.

Irgendwann sah ich zwei Mann in gelben Jacken und weißen Schutzhelmen ankommen. Einer kam auf mich zu und ich sah, daß es Sebastian war. Er hatte einen der Schiffsoffiziere soweit zugeredet, daß sein Motorrad alleine herumstände und er unbedingt hin müßte. Er brachte ihn dann auch hin. So standen wir nun noch einige Zeit zusammen herum. Gegen 20.45 Uhr durften wir dann zum Schiff fahren. Es ging links und rechts durch Containergassen. Nach ca. 500m waren wir dann am Heck des Schiffes an der Laderampe. Die war riesig und laufend wurden Güter hineingefahren. Bald kamen auch die anderen beiden Autos und wurden von der Decksmannschaft hineingefahren.

Jetzt war es soweit. Sebastian sollte sein Motorrad auch rein fahren und dann sein Gepäck abladen, bevor die Maschine fest gemacht wird. Wir umarmten uns noch einmal und ich schaute Sebastian noch einmal im Schein der Laterne an, dann war er fort.

Es war kein leichtes Unternehmen wieder zurück bis zum Wachgebäude zu kommen. Rückwärts sieht alles anders aus. Ich brauchte drei Versuche, denn immer landete ich an einer anderen Stelle. Am Wachgebäude holte ich meinen Paß ab, schaltete das Navi ein und fuhr los. Da aber alles umgebaut wird, kannte sich mein Navi nicht aus. Ich fuhr in einige Sackgassen bis ich dann wieder an die Zollschranke gelangte. Die war aber zu! Zuerst stand ich etwas verdutzt herum. Dann versuchte ich zwischen den beiden Schranken durch zu kommen, es gelang mir. Einige Meter weiter war die Straße mit einem Tor versperrt und weit und breit kein Zöllner zu sehen. Es war alles dunkel. Ich fuhr mit dem Motorrad auf den Bürgersteig und kam so durch das Fußgängertor hinaus.

Im Hotelzimmer stand ich dann ersteinmal alleine herum. Ich zog mich um und ging in die Bar und trank drei Bier. Überall saßen Menschen gemeinsam herum und unterhielten sich angeregt, nur ich war alleine.

Morgens nach dem Frühstück packte ich meine Maschine und machte mich auf den Heimweg. Die A1 ist nur zweispurig und der Verkehr stets groß. Immer wenn sich Lkw überholen staut sich alles. Nur selten konnte ich mit hoher Geschwindigkeit fahren. Am Rasthaus Dammer Berge tankte ich und machte eine kurze Pause, ich wollte nach Hause. Ab Münster wurde es erheblich wärmer und in meiner Thermounterwäsche wurde es sehr warm.

Dann hatte ich es über A43 und A42 geschafft und war zu Hause. Ich habe mich gefreut wieder bei Karin zu sein. Sie hatte die Wohnung nach Sebastians Chaos aufgeräumt, natürlich schön, aber trotzdem vermißten wir ihn.