Weihnachten

Alleine, wirklich einsam und verlassen habe ich Weihnachten gefeiert. Nachdem ich etwas Eis geschmolzen hatte, fand ich zum Glück einen toten Fisch am Flußufer, womit auch das Festmal gerettet war...

Ja gut, es war nicht ganz so! Nach zwei Wochen mit meinen immer vertrauter werdenden Reisepartnern wurde ich vom Affen gebissen und wollte mal wieder alleine los, außerdem wollte ich Weihnachten unbedingt im Süden verbringen. Da wir zusammen doch sehr langsam reisten, waren wir erst in Caleta Olivia bei Comodoro Rivadavia, etwa 1.200 km entfernt von Ushuaia. Nun habe ich mich an dem Morgen des Aufbruchs in Caleta Olivia von den anderen getrennt, natürlich verabschiedeten wir uns entsprechend... um uns eine Stunde päter an einer Tankstelle auf der Ruta 3 wieder zu sehen!

Ich machte die ersten 1.800 km von Buenes Aires (direkt auf der RN 3 gezählt) in zwei Monaten.Nun brach ich an diesem Morgen nach Rio Gallegos auf (letzte argentinische Stadt vor Tierra del Fuego) und machte mit ca. 600 km meine höchste Kilometerleistung. In Rio Gallegos angekommen stellte ich fest, daß es zwar alles mögliche in der Stadt gibt, sie aber so häßlich und »unfreundlich« ist, daß ich dort unmöglich Weihnachten feiern kann, alleine oder mit Freunden. Nach einer Nacht in einem kleinen, stinkenden Hotel (Hotel Paris), startete ich am nächsten Tag direkt durch nach Tierra del Fuego. Da es unterwegs noch zwei Grenzübertritte und eine Fahrt mit der Fähre gibt, war ich mir nicht sicher wo ich den Heiligabend verbringen würde. Um auf Nummer sicher zu gehen, hatte ich das Nötigste dabei um zu überleben... zwei Flaschen Wein und die Whisky-Probeflaschen von Mark! Nun schaffte ich es, um 17 h in Rio Grande zu sein, was die nächste größere Stadt auf Tierra del Fuego (wieder in Argentinien) ist, Nach einer kurzen Tankstellenmahlzeit und drei Kaffees machte ich mich tatsächlich noch mal auf den Weg. Als Weihnachtsgeschenk von mir für mich wollte ich es doch noch nach Ushuaia schaffen. Da die 220 km nach Ushuaia nun komplett geteert sind, war es auch kein Problem das letzte Stückchen zu fahren (Ich denke bereits in südamerikanischen Entfernungen).

So kam ich also nach endlosen Kilometern in der Argentinischen Pampa in die Berge und Täler, durch die sich die Ruta 3 nach Ushuaia windet. Bei dem Anblick, der Musik in den Ohren (Ja verdammt, ich fahre mit MP3-Player in den Ohren - ohne würde ch beim Fahren einschlafen!) und dem Gedanken, dass ich zu Weihnachten auf gute Bekannte stosse, kamen mir fast die Tränen. Verdammt, Ja! Ich schaffe es zu Weihnachten nach Ushuaia!!!

In Ushuaia angekommen fand ich natürlich nicht gleich den richtigen Weg und mußte fragen. Der Vorteil alleine unterwegs zu sein, besteht darin, immer in Kontakt mit Einheimischen zu kommen. Bei meiner Frage nach Camping Rio Pipo geriet ich an zwei sehr nette ältere Argentinier, mit denen ich mich ungefähr 15 Minuten unterhielt, und das mit meinem Spanisch - ach nein, Castellano! Dann endlich um neun Uhr abends angekommen, gab es den rührendsten Empfang den ich je hatte. Von den etwa 20 Motorradfahrern kannte ich natürlich fast alle, so war die Freude groß. Man machte sich auch schon Gedanken, wo ich denn wohl stecke. Pünktlich zum Nachtisch kam ich an den Tisch, allerdings wurde mir aus den Resten gleich ein Weihnachtsessen zubereitet.