Chile - offroad

Nach dem Stop in El Bolson machten wir (Carola, Chuck und ich) uns auf Ali wieder einzufangen. Von Unruhe gepackt war er uns zwei Tage voraus. Erster Stop auf dem Weg nach Norden war Bariloche, dort trafen wir auch wieder auf Ali und verließen im Fluchttempo die Stadt. Bariloche wird von jedem zweiten Argentinier als sehenswert angepriesen, es ist auch eine schöne Stadt, allerdings ist sie auch groß, laut und touristisch!

Auf dem Weg nach San Martin de los Andes, wo wir Chuck verlassen werden, führte er uns durch den Nationalpark Nahuel Huapi. Auf der absolut staubigsten Schotterpiste (die gerade im Umbau ist) fuhren wir am Lago Traful vorbei zu einem der kostenlosen Campingplätze im Nationalpark. Neben dem Campingplatz und der Straße bekamen wir leider nicht viel von dem Nationalpark mit - Transitstrecke eben!

In der kleinen, schicken und teuer anmutenden Stadt San Martin de los Andes ließen wir uns zu einem Kaffee und Bier nieder um danach von den Hauptstraßen abzubiegen...


Parque National Lanin

Verlässt man San Martin nach Norden in Richtung Junin de los Andes geht an der zweiten Kreuzung der Weg zum Nationalpark ab... es fängt recht harmlos mit einer mittelprächtigen Schotterpiste an, will man nach einigen Kilometern in den Nationalpark, so muß man vorher (!?) den argentinischen Grenzposten passieren, warum man ihn auch immer hierher setzt, naja so soll es wohl sein!

Die Strecke durch den Nationalpark wurde dann richtig beschaulich, sie führt vorbei an den Seen und Lagunen des Parkes. Die Pflanzen werden von Meter zu Meter dichter und abwechslungsreicher, die Straße überrascht einen hier und da mit einer scharfen Kehre gepaart mit einem dicken Schlagloch auf der einen und Gegenverkehr auf der anderen Seite. Durch mehr oder weniger Adrenalin wieder in die echte Welt katapultiert, konzentriert man sich auch wieder auf die Tücken dieser netten Nationalparkstrassen.

An jedem der Seen gibt es einen Campingplatz, teilweise mit Duschen und einem Kiosk, wir entschieden uns für die kostenlose Variante an der Laguna Verde, Dort den Abend zu verbringen ist, abgesehen von den Wespen, einer der beschaulichen Momente auf der Reise.

Paso de Carirriñe

Der Nationalpark endet gleich an dem Schild »Bienvenidos a Chile«, der Charakter der Straße wechselt fast schlagartig. Es wird holprig und es geht den Paß (Paso de Carirriñe - 1.123 m) hinunter, nicht daß man im freien Schuß den Berg hinunter fährt aber mit der einen oder anderen Auswaschung wird es doch spannend!

Der Grenzposten war in unserem Fall erst nach 12 h geöffnet, warum das der Fall war, stellten wir nach dem freundlichen und problemlosen Übergang fest...

... die nicht ganz fertige Brücke zwang uns zu einer kleinen Mittagspause. Während die Arbeiter, bestochen mit zwei Zigaretten, die Brücke für uns fertigstellten, saßen wir im Schatten und ruhten uns aus.

Parque National Villarica

Auf dem recht ereignislosen Weg nach Coñaripe vernachlässigten wir die sehr ausgebauten und touristischen Thermen, mal abgesehen von der nicht für Thermen geeigneten Außentemperatur, waren sie einfach zu überlaufen. In Coñaripe ausgeschildert ist der Weg nach Norden zu »Termas de Palguín« und zum Nationalpark Villarica.

Der erste Teil der Straße überraschte uns mit dem Verkehrsaufkommen einer Hauptstraße auf der Breite eines besseren Fußwegs, über Schotter und Staub erzähle ich nun nichts... Da es ein »wenig« später war, beschlossen wir auf einer Kuhwiese, sichtgeschützt neben der Straße zu campen. Durch kollektive Faulheit schliefen wir unter freiem Himmel. Zugegeben, es war auch ein wenig Spielsucht dabei - Ankommen, UNO spielen und später im dunkeln überlegen ob man noch sein Zelt aufbauen will!

Nun gut, am nächsten Tag, unter andauernder Umgehung der Thermen, erreichten wir den Nationalpark. Uff! Der Weg durch den Park wurde nun richtig »ländlich«. Der Park besteht aus alten und riesigen Bäumen, ein richtiger kalter Regenwald. Die Natur der Bäume beschränkt sich dabei natürlich nicht auf die Umgebung sondern setzt sich auch auf dem fort, was man in chilenischen Nationalparks Straße nennt. Um es genauer auszudrücken... man bemühte sich zwischen den Bäumen die Schneise zu finden, wo man mit den wenigsten Hindernissen rechnete. Nun kommen hier und da die Wurzeln dermaßen zum Vorschein, daß es regelrechte Stufen hinauf und hinunter zu bewältigen gibt. Ein Africa Twin Motorschutz setzt dabei schon mal gerne auf aber mit entsprechendem Schwung sammelt man damit nur Arbeitsnachweise auf der Motorradunterseite. Engpässe mit umgestürzten Bäumen, die auf Wegesbreite durchgesägt wurden, werden gewöhnlich dadurch versüßt, daß man es genau dort mit Gegenverkehr zu tun bekommt. Seitlich an den Baum gelehnt, mit der Maschine und dem Gepäck auf einem Bein abgestützt, kommt der freundliche chilenische 4x4 Fahrer auch gerne mal auf ein Gespräch zum Stehen, mit leicht verschwitztem Grinsen übt man sich so, mitten auf der Piste, in seinen Spanischkenntnissen.

Ansonsten verläuft der Weg entsprechend der Natur der Dinge im Wald, irgendwie an den Bäumen vorbei, dem Lauf des Wassers nach... das Wasser läuft dabei in der 30 cm tiefen Rinne die des öfteren auch mal den Weg kreuzt. Es war trocken als wir dort unterwegs waren, ansonsten hätte ich hier bestimmt vom ersten Chrash unterwegs/argentinien/geschichtent! Es könnte dort »etwas« schlammiger werden!!

Überstanden hatten wir es also und wir hatten auch unseren Spaß. Der setzte sich auch fort als wir an der, vom Parkranger angekündigten, Brücke ankamen... aber seht selbst...

Icalma - Lonquimay

Nach einem Stop in der Zivilisation mit Campingplatz und allem drum und dran in Pucon, verließen mich meine Mitreisenden auf dem Weg nach Norden... Da ich noch meine Cockpithalterung schweißen lassen mußte (Vibrationen killen alles), gönnte ich mir eine weitere Nacht in Pucon.


Tags darauf machte ich mich auf den direkten Weg zu unserem Wiedertreffen am Lago Aluminé in Argentinien. Von dort aus machten wir uns einige Tage später auf in das kleine Kaff Icalma. Nach der üblichen Internet- und Cafepause fullten wir die Vorräte auf und verließen wieder die ausgetretenen Pfade der Hauptstraßen.


Wir machten es an dem Tag nicht mehr sehr weit, bekamen aber kurz vor unserem Camp im Wald neben der Piste noch die Info, daß einer der nahegelegenen Vulkane gerade anfängt ungemütlich zu werden, auf unserer Strecke aber keine Probleme zu erwarten sind. Die Info des Radfahrers, daß es Probleme mit einer der Flußdurchfahrten geben könnte, bekamen wir von Ali erst am nächsten Tag, irgendwie wollte er uns nicht informieren! Nach den ersten Übungsdurchfahrten kam sie dann und wir meisterten auch diesen Bach!

Lonquimay - Santa Barbara

Die meisten Menschen würden wahrscheinlich über die teils geteerte Strasse zur Ruta 5 fahren, dort eben auf diese Autobahn wechseln und innerhalb von ein paar Stunden in Santa Barbara sein... die meisten, aber nicht wir!

Es war also die »Straße« die Ali schon vor sieben Jahren gefahren ist. Er freute sich darauf sie nochmal abzuhaken, wahrscheinlich wollte er aber nur 300 afrikanische Kilos durchs Gelände scheuchen. Die Geschichten über diese Strecke fielen ihm unterwegs stückchenweise wieder ein und er überraschte uns immer wieder damit. Natürlich war es nicht gerade die einfachste Strecke die wir hatten, es war aber definitiv die spannendste und spaßigste. Während ich mich die Steigungen und Kurven über Felsbrocken und durch motorradtiefe Auswaschungen hinaufkämpfte, dachte ich über die Ruta 40 nach, wie ich dort mit 120 km/h über die Piste flog... warum machen die sich da alle lang???

Ich für meinen Teil habe die Strecke genossen, es ist tatsächlich mal etwas anderes als nur über Schotterpisten zu fegen, hier war schlicht und ergreifend Technik gefragt und ich habe mich grinsend (und schwitzend) an meine Vorbereitung und die Endurotrainings erinnert... danke Teambuctu, danke Prolog-Endurotraining. Etwas geschafft war ich dann aber doch als ich auf der Paßhöhe ankam. Wir posierten noch mit erhobenen Daumen für die »Geschafft Photos«, flickten dann noch mal eben meinen Schlauch (natürlich den hinteren!) und machten uns auf den Weg nach unten. Da mir der Plattfuß erst kurz vor der Abfahrt auffiel, war Carola schon auf und davon. Ali ließ es sich nicht nehmen mir zu helfen. Auf dem Weg nach unten wollte das schwere Gelände einfach nicht aufhören, jedes mal wenn ich dachte nun haben wir es geschafft, kam es noch mal etwas dicker.

Recht dick waren dann auch die beiden Felsbrocken auf der linken Seite... Der erste versetzte mir einen ziemlich inelastischen Impuls, der mein Motorrad zu einer Kursänderung über die nächstgelegenen Felsbrocken überredete. Ein Blick über meine Schulter sagte mir, daß der Alukoffer nicht mehr ganz im Auslieferzustand war, der Deckel aber immerhin noch von meiner Packrolle gehalten wird. Kann man also auch später noch richten! Später war ziemlich genau 500 m weiter bei einer erneuten Kurskorrektur. Der nächste Felsen war weniger pflegeleicht und brachte mich samt Motorrad in die Horizontale. Bei der Gelegenheit konnte ich meinen Koffer auch gleich aufräumen, jetzt wo schon mal alles auf der Straße liegt... inklusive Koffer!

OK, ich war etwas geschafft und es war schon etwas später. Da passiert so was leider nunmal. Mit ca. einer Stunde Verspätung holten wir Carola ein, die schon befürchtet hatte irgendwo den falschen Abzweig genommen zu haben. So machten wir erstmal Schluß, es wurde auch schon dunkel. Mir ging es soweit prächtig, nur war mir nach meinem ersten Crash einfach nach einem Bier. Hier im Nirgendwo waren die Chancen leider etwas gering. Auf dem Weg zum Fluß rief mir Ali jedoch hinterher, daß er eine Überraschung für mich am Fluß liegen hat... mit einem Freudenschrei brachte ich die ersten drei Dosen Bier mit zurück!

Der nächste Morgen brach an, ich fuhr hinter Ali und Carola her, kam um eine Kurve und hielt neben den beiden auf der Straße an, mein Blick schwenkte Richtung Fluß und ich verfiel in einen Lachanfall... Ali hatte schon am Vorabend an der nächsten Brücke gezweifelt, sie sah wohl vor sieben Jahren schon mitgenommen aus. Der Fluß hatte sie nun tatsächlich mitgenommen und zwar stromabwärts! Da war sie also, unsere nächste Flußdurchfahrt, ca. 30 m lang, oberschenkeltief und steinig, verdammt steinig!

Der restliche Weg nach Santa Barbara wurde wieder ruhiger, langweiliger und endete zum guten Schluß auf Asphalt.

Parque Nacional Laguna de la Laja

Für den Rückweg nach Argentinien suchten wir uns den vom Vulkan Antuco geformten, Nationalpark aus. Ali hatte zwar noch einen »netten kleinen Paß« im Auge, stieß aber auf den kollektiven Unwillen von Carola und mir.

Am Eingang des Parkes wird schon darauf hingewiesen, daß man es besser nur mit Allradfahrzeugen mit großer Bodenfreiheit versuchen sollte. Nun stehen diese Warnungen ja überall, so geht man mit der Zeit etwas lockerer damit um und kümmert sich nicht weiter darum. In der Tat waren die Straßen nicht zu schlimm, es wurde zwar etwas weicher und wackeliger aber soweit nicht zu schlimm.

Die Tatsache, daß es schon recht spät war und sich doch tatsächlich wieder ein Fluß auf unserem Weg befand, löste die Diskussion aus, ob wir lieber am Ende oder am Anfang des Tages nasse Füße haben wollen. Nun war der Fluß nicht unbedingt der einfachste. Der Gedanke trockene Füße für den Abend zu haben war auch recht verlockend, aber Ali war immerhin schon auf der anderen Seite und hatte wenig Lust, wieder zurückzukommen. Wie sich herausgestellt hat, war es eine unserer besseren Entscheidungen weiterzufahren, es war nur das Vorspiel für die nächsten Pfützen und Flüsse...

Dieser Fluß hier hatte es besonders nett mit uns gemeint, er kreuzte nicht einfach nur den Weg, er war der Weg. Die nächsten 50 m waren also etwas feuchter. An der chilenischen Grenzstation angekommen wurden wir freundlich auf morgen verwiesen, geschlossen! Also hatten wir noch ein nettes Camp mit Vulkanpanorama, Wein und Uno.

Auf der argentinischen Seite des Passes fuhren wir zuerst durch langgezogene Flußtäler, später verwandelte sich die Landschaft in eine dürre und kahle Gebirgslandschaft die mit den verschiedenen Farbgebungen in den Felsen aber keine Langeweile aufkommen läßt.


Man mag sich nun fragen warum ich die ganze Zeit nur über die Straßen und Flüsse schreibe... ich weiß auch nicht, es war einfach ein tierischer Fahrspaß!