Pechsträne

Wenn man mal Pech hat dann gleich richtig. So war es auch bei mir und es hat sich auch auf Stimmung, Bilderlaune und Motivation bei Reise und Homepage ausgewirkt. Was passiert ist könnt ihr hier lesen.

Um es etwas zusammenzuraffen hier in der Kurzfassung.

Am ersten Tag nach El Calafate nach einem Campingplatz Ausschau gehalten. Höflich wie ich bin habe ich bei der Estancia gefragt. Andere Reisende berichten ja immer von freundlichen Menschen auf den Estancias...

Der Typ war der absolute Brüller. Als er vor mir stand, mit offener Hose, überall verschmiert mit »ichweissnichtwas« und mich mit einem Gesichtsausdruck ansehend der ungefähr folgende Bedeutung hatte: »Wenn ich gerade keine Schafe von hinten nehme, fresse ich kleine Kinder... oder Motorradfahrer« fragte ich mich ob ich hier wirklich übernachten will.

Nun gut ich fragte ihn ob ich hier irgendwo campen darf, er sah eigentlich so aus als hätte er nie zuvor einen Touristen gesehen, war aber doch sehr schnell dabei als er sagte: »10 Pesos!« - na wunderbar!


Als ich dann endlich über die gröbste Piste der Welt zu seinem See kam und meine Zelt aufgebaut hatte, wollte ich nur noch heisses Wasser für einen Kaffe haben. »Irgendwo hier hatte ich doch meinen Wasserbeutel...« - »Ach ja, gleich neben den Äpfeln war er. Warum war er da und jetzt nicht mehr???« - Die Äpfel waren übrigens auch weg, die habe ich aber am nächsten Tag auf dem Rückweg wieder gefunden. Der Wassersack war weg! (An Klaus und Mark: Es war nicht der große aus der Schweiz, ich hatte noch nen kleinen Ortlieb dabei)


Mit etwas weniger Gepäck machte ich mich auf, durch die endlose Pampa nach Norden. im Laufe des Tages entwickelte ich einen »Pampakoller« und wollte nur noch raus da! Vor lauter »Pampakoller« und Erschöpfung habe ich mich erst nach dem Abzweig nach Lago Posadas daran erinnert, daß ich doch eigentlich die »Cueva de los manos« bei Bajo Caracoles besuchen wollte! - »Egal! Nächstes mal!«

Abends wollte ich nach ewigen Stunden auf ca. 450 km Ruta 40 nur noch in ein Bett und ging in ein Hostel. Der Preis war mir eigentlich schon etwas hoch, war aber durchaus normal. Dafür war das Zimmer gut und ich mußte es auch mit niemand teilen. Leider nahm ich Essen und Bier und den Kaffe zum Frühstück an ohne nach dem Preis zu fragen... das passiert mir nicht wieder!!!


Am nächsten Tag wollte ich mir meinen Frust durch eine nette Vormittagspause am Lago Posada vertreiben, es klappte auch! Dummerweise hatte ich beim Weiterfahren meinen ersten halbwegs ernstzunehmenden Crash!

Ich saß an dieser kleinen Bucht. Der Weg führte bergauf und war zur Seite abschüssig. Es gab zwei Spuren zur Auswahl, hätte eigentlich alles klappen können... Warum ich allerdings nach dem ersten Gewackel angehalten habe und den Fuß auf den Boden gesetzt habe, weiß ich auch nicht mehr.

Natürlich kam ich ins Rutschen und kippte über den »Abhang«. Es war nur ein Meter aber genug um die Maschine »Upside Down« liegen zu haben... Gut, drehen wir sie erstmal, richten sie wieder auf und bergen sie auf dem Geröll und den Gebüschen. Das tat unter anderem meiner Seitentasche vom Tankrucksack nicht besonders gut... von dem Lack ganz zu schweigen (Das die Teschkoffer beim kleinsten Umkipper deformiert sind erwähne ich einfach mal nicht mehr!).

Beim zweiten Anlauf passierte es mir fast wieder. Diesmal stand ich auf, gab Gas und fluchte unter meinem Helm wie ein Rohrspatz: »Verdammte Scheiße, was stellst Du Dich so an, du kannst das alles. - Kann es denn wahr sein, daß Du zu doof bist den verdammten Abhang hier hochzukommen, ...« - Das hat gewirkt... bis heute!


Am selben Tag nahm ich noch die Piste am See entlang nach Norden, eine phantastische Gegend, hinter jeder Ecke ein neues Panorama. Die Piste war mehr als spannend und ist die reinste Freude für jeden der mal wieder so richtig Offroad fahren will.

Das Problem mit den guten Pisten ist... man ist recht einsam! Wäre auch kein Problem, wenn man nicht gerade mit 20 Litern Sprit im Tank dasteht und die Vergaser trotzdem verdursten!

Tatsächlich, meine Mikuni Benzinpumpe hat den Dienst verweigert. Da sie die erste Hälfte (von 43 Litern!) ohne weiteres durchfliessen läßt, merkt man den Defekt erst, wenn es um die untere Hälfte im Tank geht. - Verdammte Scheiße!!! - OK, spiel McGuyver und versuche mal was zu bauen. Bei der dritten Konstruktion mit einer Wasserflasche mit Benzin und den Schlauchresten die ich hatte, kam das Benzin auch wieder dahin wo es hin sollte. Vorher hatte ich es auf der Hose, den Stiefeln, auf den Händen und im Gesicht. Der Patagonische Wind macht eben alles möglich (Das war übrigens auch der Moment in dem ich den Wind angeschrien habe! - Ich glaube das muß hier jeder mal machen!!)

Da die Konstruktion niemals den ganzen Rest der Piste, den Paß mit dem Grenzposten und die 80 km auf der chilenischen Seite der Piste bis Cochrane gehalten hätte, war ich mehr als dankbar, daß ich einen Argentinier um 25 Liter »Nafta« erleichtern konnte. So machte ich mich auf nach Chile um bei extrem tief stehender Sonne, abends nach 10 Uhr in Cochrane anzukommen. Warum ich nicht unterwegs übernachtet habe? Keine Ahnung! Ich war so fertig, daß ich einfach nur noch gefahren bin!


Das war soweit die Pechsträhne... in Cochrane angekommen, erst mal drei Nächte entspannen und wieder frisch weiterfahren! - Von wegen!!!


Auf dem Weg nach Caleta Tortel ist mir nichts passiert - merkwürdig aber erfreulich!

Der Rückweg nach Cochrane sah schon wieder ganz anders aus! Nach 100 km Piste, bei einer längeren Pause bemerkte ich eine erschreckend weiße Stelle an meinem Tank. Klar, er ist weiß aber warum ist nun soviel davon zu sehen? Hmm, könnte an der verschwundenen Seitentasche meines Tankrucksacks liegen... aber warum ist die eigentlich nicht dran???

Es war die kaputte Seitentasche, die ich morgens noch so liebevoll befestigt hatte! Durch die Rappelei hat sie sich irgendwo doch gelöst. Durch Panorama und Piste ist es mir die ganze Zeit nicht aufgefallen!

OK, was machen? Es fehlt die Tasche, meine Schuhe, meine Goretex Jacke und mein ganzes RAM-Mount Geraffel um die Kamera am Motorrad zu befestigen! - OK, zurück und Piste absuchen! Das machte dann 200 Extrakilometer, die dazu führten, daß ich nachmittags doch keine Lust mehr hatte weiterzufahren... eine Nacht mehr in Cochrane. Die abendliche Kur mit Bier, Bier und Bier hat (wie es zu erwarten war) nur bis zum nächsten Morgen gehalten!


50 km nach meinem Start in Cochrane bemerkte ich bei einer Zigarette neben meiner Maschine einen kleinen weissen Schlauch am Kettenrad ohne was dran! - War da nicht immer die Düse vom Kettenöler???

1. Reaktion: »AAAAaaaaaarrrrgggghhhhhhhhhh!!!!!«

2. Reaktion: Ein an Wahnsinn grenzender Lachanfall!


Soweit zu meiner Pechsträhne, durch eine gehörige Portion Wahnsinn und »nach mir die Sintflut« habe ich mein Schicksal davon überzeugt, daß es völlig sinnlos ist gegen mich anzukämpfen. Ich habe den dickeren Schädel und komme damit überall durch. Die Methode, die Realität von seiner eigenen Meinung zu überzeugen mag unkonventionell sein aber warum sollte sie nicht einfach funktionieren? Ich bin schwer davon überzeugt, daß es noch keiner versucht hat.

Ob sie mich oder ich sie von der nächsten Klippe werfe, werden wir noch sehen!!!